Sankt Bonifatius

Deutsche Katholische Personalpfarrei

São Paulo

"Wir bauen hier so feste und sind doch fremde Gäste!"
Nós estamos construindo aqui tão sólido e ainda somos estrangeiros!



Liebe Gläubige und Freunde der Pfarrei Sankt Bonifatius!

Der obige Spruch stand am Dachgiebel meiner ersten Dienstwohnung und hat mich seither immer gedanklich begeleitet. Nun da es Zeit war Abschied zu nehmen aus der Diözese Alagoinhas-BA, wo ich fünf Jahre gerne meinen Dienst versah, erinnert er mich daran, wie wichtig und wertvoll es für uns Menschen ist, "fest zu bauen". Gerade im Nordosten Brasilien, wo es noch Vieles aufzubauen gilt, war mir dieser Satz Zuspruch und Ermunterung, die Mission, die Gott uns allen anvertraut hat, mit Hoffnung und Freude anzugehen. Doch gerne vergißt man bei aller Betriebsamkeit und Alltag den zweiten Teil des Satzes, "und sind doch fremde Gäste". Gast meint hier nicht, dass man keine Wurzeln schlagen oder persönliche Verbundenheit eingehen soll, im Gegenteil. Er richtet uns aus auf ein Größeres und weitet unseren Blick als Christen immer wieder auf das Ganze, das Ziel unserer Pilgerschaft auf Erden - unsere Heimat beim Vater. All unser Bauen, Schaffen und Streben ist der Vorläufigkeit unterstellt, nur der EINE wird es vollenden und das Gute, das begonnen wurde, zur Vollendung führen. Dessen eingedenk habe ich den Nordosten verlassen und mich mit Freude nach São Paulo aufgemacht, um mit ihnen lebendiger Christ und für sie guter Hirte zu sein. Beten sie für mich und beten sie für unsere Gemeinde, denn gemeinsam wollen wir Zeugen der Hoffnung sein und fest weiterbauen an dem, was uns anvertraut wurde. Ich weiß, dass jeder Pfarrerwechsel nicht nur Freude in einer Gemeinde hervoruft, sondern auch die Besorgnis mitbringen kann, wie es denn weitergehen wird. Bleiben wir dem obigen Spruch stehts eingedenk, dass wir trotz des feste Bauens alle auch immer fremde Gäste sind. Dies will uns ermuntern und Zuspruch sein, das Gute zu bewahren und sich vielleicht von Manchem zu verabschieden, das uns zu sehr in dieser Welt gefangen hält. Gehen wir mit Gottvertrauen und Freude in die gemeinsame Zukunft, stets bereit für das Wirken des Heiligen Geistes, der die Kirche führt und leitet. Zum Schluß noch eine Bitte und Einladung. Haben sie Geduld mit mir, denn es schient, dass ich die deutsche Sprache in diesen Jahren ein wenig verlernt habe, oder meine bayrische Herkunft doch stärker durchschlägt als erwartet. Ebenso möchte sie gerne auch einladen, mich näher kennen zu lernen und im Pfarrhaus zu besuchen. Seien sie herzlich willkommen, sejam todos e todas bem-vindos!

In diesem Sinne grüße ich sie herzlich und freue mich auf unseren gemeinsamen Weg!

Ihr Pfarrer


Pe. Georg Pettinger